Fahrtag 1 - Ach Du Scheiße wie komme ich hier unverletzt raus

Da ist er, der erste Fahrtag. Ich glaube es wäre gelogen zu behaupten, dass irgend jemand nicht aufgeregt war. Fremde Mopeds, zwei Takter, keine Ahnung vom Fahrniveau der anderen usw.  Aber um 8:30h gibts erstmal gemütlich Frühstück. Außer uns sind noch Mehmet aus München (der bosnischen Sprache mächtig), Martin und Florian aus Tübingen/Reutlingen und Benni und Sascha aus Brandenburg/Potsdam dabei. Letzere wollen auf jeden Fall in der harten Gruppe mit Guide Peter fahren. Der Rest besteht aus Anfängern, etwas Erfahrenen und etwas mehr Erfahrenen.



Danach folgen  Ausrüstung suchen (Helm, Schuhe, Hose, Shirt, Protektoren, Handschuhe) . Socken und Unterwäsche braucht man selbst und die Endurobrille und eine Regenjacke. Alles andere bekommt man. Und die Mopeds werden zugeteilt. Bei diesem Veranstalter nur vier 4-Takter, der Rest sind alles 2-Takter. Alles Beta zwischen 250 und 390 ccm. Uller und ich bekommen einen 2 Takter, Rainer und Ben einen 4-Takter. Noch eine kurze Einführung für alle.





Und dann geht's los. Innerhalb von 5 Minuten muss ich vieles abschreiben, was ich mal gelernt habe. Z.B. bekomme ich es partout nicht hin bei der Gasannahme des 2.Takters stehend bergauf oder in der Ebene zu fahren. Das ist Rodeo. Nach 10 Minuten bin ich total ernüchtert, alles überfordert mich, ich halte mich eigentlich für eine ganz ordentliche Fahrerin im Gelände aber das ist alles ziemlich ruppig und dann auch noch schlammig, viele Spurrillen, dazu noch das wilde Moped. Ich frage mich, warum ich dafür bezahle, dass ich gefühlt ums Überleben kämpfe. Aber jetzt hänge ich schon drin, also weitermachen. Ein wilder Ritt ohne Pausen, meine Hände sind aus Eisen -  ich verkrampfe völlig am Lenker. Locker am Lenker ist zwar im Kopf logisch-  aber nicht umsetzbar bisher. Ich mache einen Deal mit dem Bike, ich gucke, du fährst, versuche dem Vorderrad alle Freiheiten zu lassen, die es benötigt, aber es bleibt schwierig. Noch habe ich Respekt vor rutschenden Hinter oder Vorderrädern, ist immerhin das erste Mal Gelände dieses Jahr und das von 0 auf 100. Ich frage mich, warum ich nicht in die Anfängergruppe gegangen bin und das Ganze etwas stressfreier angegangen bin. Uller und ich haben uns für die mittlere Gruppe entschieden. Mal sehen wie der weitere Tag so läuft.

Bei der ersten Pause treffen wir auch alle anderen auf dem gleichen Berg es gibt eine Kuhle von der aus viele Auf-/Abfahrten hochgehen und wir können frei spielen. Mir ist nicht nach spielen, eher nach trinken und Hände ausschütteln, ich bin schon platt nach einer Stunde Fahrt.



Aber danach wird es zum Glück etwas gemütlicher, breitere Schotterwege,




So langsam geht es auf die Mittagspause zu und ich stelle mich drauf ein, dass wir gemütlich Richtung Hotel zurück rollern. Aber nix da, mit letzten Energien geht es auf einen Singletrail. Nicht nur schmal und bergab sondern auch noch schräg am Hang also insgesamt tricky mit Wurzeln, Steinen usw. und zusätzlich schwierig, die eigene Geschwindigkeit den Vorausfahrenden anzupassen. Manchmal muss man an extrem ungeschickten Stellen anhalten, weil es vorne "staut" oder jemand im Gemüse liegt. Eigentlich liegen mir Single trails, aber so ausgepowert bin ich nur froh ihn geschafft zu haben. 

Mittagessen gibt es unten im Hotel. Kostet standardmäßig 12 EUR und heute ist die Grillplatte (1/2 Meter Fleisch mit Kartoffelschnitzen und Ajvar) angesagt.




Nachmittags geht''s wieder auf einen Berg hoch und ich ärgere mich, dass ich kein Handy griffbereit habe, die Landschaft kommt mir vor wie in der Mongolei, ganz kurzes Gras, große Weite und schneebedeckte Gipfel am Horizont, ein absoluter Traum, meine Stimmung ändert sich, die Mühen lohnen sich, es ist landschaftlich ein Traum. Und Ivan unser Guide toppt es noch, der Pausenplatz ist eine Bank mit dieser Wahnsinnsaussicht auf einen Stausee.









Die Nachmittagsrunde kommt mir wahnsinnig kurz vor und ist sie tatsächlich auch. Mittags wird nur noch 2h gefahren. Danach gibt's eine Kiste Bier zum ankommen. Keine Ahnung wer die erste spendieren musste, fast jeder hat den Fehler schon gemacht der eine Kiste kostet: auf das Motorrad aufsteigen, während der Seitenständer noch ausgeklappt ist. 

Während wir so mit unserem Bierchen da sitzen, diskutieren wir, wie das mit Guidos Heimflug funktionieren soll, er muss um 5:30h morgens boarden, von hier aus fährt man 2h nach Sarajevo das klingt alles unentspannt und dann muss man ihn auch noch alleine shutteln. Und gleichzeitig sind alle völlig begeistert von unseren Erzählungen und wollen auch noch in Karuzo essen. Gesagt getan, wir suchen Zimmer in Sarajevo, reservieren bei Sascha und Guido kann dann von Sarajevo aus in 15 Min am Flughafen sein.





Weggeworfen habe ich meine Beta gar nicht allzu oft heute, wenn dann eher Umkipper, weil das Bein zu kurz war. Ich hab aber jetzt richtig verfestigt das eine Bein ganz runterzubringen indem ich das andere komplett aufgebe und nur noch mit der Kniekehle auf der Sitzbank hänge. Die sind einfach hoch und wenn ein kleiner Wackler bei geringer Geschwindigkeit oder im Stehen ist, kippt sie halt um. Dann eben kippen lassen, sind nicht so schwer, ich bekomme sie gut alleine hoch.

Abends gibt es a la carte Essen im Restaurant, danach chill-out. Man merkt dass alle platt sind, nach 22h sitzt niemand mehr im Restaurant. Guido hat per whatsapp Anweisungen erhalten, in welches Zimmer und welches Bett er nachts krabbeln darf, weil er sehr spät in Sarajevo landet und dann erst gegen 1h30h da sein wird. Wir drücken alle die Daumen dass er diesmal gut ankommt.




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