ACT Tag 7 Rreshen - Elbasan

Bild des Tages:

Wir wollten früh starten um vor dem Gewitterregen möglichst weit zu kommen. Also früh aufstehen und früh frühstücken. Haben den Plan aber nie mit dem Hotel geteilt, deshalb dauert das Frühstück. Und dauert. Lustig auch: Frühstück ist inbegriffen aber Kaffee nicht. Irgendwann haben wir dann aber endlich unser Frühstück. Spiegelei mit Brot. Das ist doch perfekt.

Nochmal ein Blick auf diese Perle Albaniens

Statt 8h sind wir dann um 9h losgefahren in den offiziellen ACT Tag 4. Der Track startet schnell mit erst schlechter Straße dann schöner Piste mit gröberen Steinen. Ein bisschen Eselspfad ist dazwischen und wir schrauben uns Kehre um Kehre schön hoch. Oben angekommen sieht es aus wie in der Toskana.

Der ganze Track ist dann extrem abwechlungsreich und richtig schön.

Uns kommen sehr wenige Fahrzeuge entgegen aber eins direkt in der Kehre in der Fee kurz das Moped ablegt um ihre Nebenhöhlen zu entwässern (sorry, insider). Die zwei Fahrzeuge, die zwei Pferde vor sich hertreiben, finden das jedenfalls keinen Grund anzuhalten und uns zu helfen. Egal wuppen wir auch zu zweit.

Die Totenkultur ist ein bisschen komisch. Gestern waren der ganzen Straße entlang Grabsteine und Plastikblumen,so viele Verkehrstote kann es hier eigentlich gar nicht geben -  auch viele Paargrabe. Eine Art Friedhöfe gibt es hier auch aber es sind auf Hügeln errichtete Grabstätten. Manchmal Einzelgräber manchmal mehrere dann ist oft jedes einzelne Grab eingezäunt. Und Blumen aus Plastik. Quietschebunt. Angeblich darf man hier auch nicht irgendwo ein Grab errichten aber das albanische Gesetz scheint da milde zu sein.

Am Ende des Tracks gibt es nochmal eine der häufigen Holzbrücken

Zum Mittagessen sind wir im Peshkopi. Dort gilt es nach einer Weile Restaurantsuche in dieser chaotischen Stadt, die Uller die Autostadt nennt, weil jeder zweite Laden eine Werkstatt oder ein Reifen oder Felgenladen oder eine Autowäsche ist, eine leckere Karotten/Kartoffelsuppe vermutlich auf Lammbrühebasis und zum Nachtisch machen wir, weil wir so Lust darauf haben Entwicklungshilfe und erklären dem Wirt wie man Affogato al Café macht und bestellen vier. Perfekter Nachtisch. Der Wirt meint das könne man den Albanern nicht verkaufen.

Die Aussicht ist jedenfalls nice in die eine Richtung aber wir sehen auch die dichten Wolken aus Richtung Meer kommen… Zeit aufzubrechen!

Für mich war die Suppe mehr als genug. Meine neue Definition von Reise vs.Urlaub - im Urlaub nimmt man 3 kg zu, bei der Reise nimmt man 3 kg ab 🤣

Wir probieren vor dem Gewitter das ja schon als heftig angesagt war, weiterzufahren. Klappt ca. 30 min perfekt. Es wird windig aber super angenehm. Dann wird es aber auf einmal stürmisch und wir stehen vor einem umgestürzten Baum. Binnen kürzester Zeit stauen sich auf beiden Seiten des Baumes Autos auf und alle Autobesatzungen springen raus. Viele davon auffällig in schwarzer Hose und weißem Hem und helfen wegzuräumen. Als der Baum weg ist, sehen wir, warum die alle so angezogen waren, denn dann fährt ein Leichenwagen durch. (Zum Glück ist der nicht 30 Sekunden vorher durchgefahren, Sonst wäre die Leiche doppelt tot). Aber noch mehr Glück haben wir, dass uns das nicht erwischt hat!



Nachdem der Weg nun frei ist, fahren wir zu einer Übernachtungsoption, in der aber eine albanische Hochzeit stattfindet und es ist ja auch noch mitten am Tag also lieber weiter. Vor dem Regen und Gewitter müssen wir uns jetzt trotzdem dringend unterstellen. Uller und Thom wollen 20 Meter zurück zu einer Tankstelle mit Tischkicker, Fee und Sandra lieber weiter auf dem Track zur nächsten Bar. Die Gruppenstimmung ist jetzt ungefähr so explosiv wie das Gewitter das jetzt immer näher kommt. Also nix wie los, leider immer höher in die exponierten Berge und als ich schon fluche warum wir nicht an die Tankstelle zurück sind, kommt eine andere Tankstelle mit Bar. Perfekt. Wir richten uns ein- auch ohne Strom, denn der ging beim Gewitter dann weg. Ein anderer Einheimischer, der mit einem klapprigen Mofa herkam und auch Schutz sucht besteht dann darauf die Rechnung zu übernehmen obwohl wir kein Wort gewechselt haben, einfach nur weil wir auch Schutz suchen und Fremde sind. Sie sind wirklich sehr gastfreundlich die Albaner!

Dann gehts weiter Richtung Elbasan, wir haben nämlich beschlossen die heutige Etappe noch fertig zu fahren denn sie besteht (mittlerweile) eh nur noch aus Strasse. Eine nagelneue Strasse wurde hier durchgezogen wo der ACT vor kurzem noch eine Schotterpiste war. Schade aber bei dem Wetter auch angenehm. Es gibt eine tolle Stimmung als der letzte Blitz den Himmel erleuchtet und der Regen langsam nachlässt und ein paar tiefhängende Nebelwolken hinterlässt.

Die Strasse trocknet auch langsam ab und die Kurven machen wieder Spass als Thom unerwartet einen Stunt abzieht und plötzlich Richtung Leitplanke schlittert. Das war der Ölspur geschuldet, die ihm das Vorderrad weggezogen hat. Uller, der gemerkt hat, dass Thom fehlt, hatte weiter unten trotz des langsamen Tempos 100m Bremsweg... offenbar hatte niemand außer mir gesehen, dass das was schon seit der ganzen neuen Strasse über die Fahrbahn läuft (genauer über beide Fahrspuren, dem albanischen Kurvenstil entsprechend) eine fette Ölspur ist, die glatt wie Schmierseife ist. Wenn man die erwischt, hat man keine Chance. Aber wir waren ja eh langsam und es ist nichts passiert.

Die Spiegel werden wieder festgezogen und die Schleifspuren legen jetzt an der Regenhose die eh zu klein war, Thoms orange wieder frei. Also alles fein. Die restlichen Kurven fahren wir aber gaaaaaanz vorsichtig und weiter unten bei der noch nassen Strasse sieht man wie sie in allen Regenbogenfarben schillert, weil dort offenbar auch noch Benzin oder Diesel in jeder Kurve auf der Strasse ist. Diese Menge an alten Mercedes Autos fordert wohl ihren Tribut. Aber um fair zu sein, es gibt auch Volkswagen. Aber das sind auch schon die dominierenden Automarken die 95% aller Autos hier stellen.

Und zum Ausgleich für gestern soll es heute mal ein schickeres Hotel sein, also das Panorama Spa in Elbasan, mit Pool und Sauna und gutem Restaurant und Aussicht. Also nix wie hin.

Hier in der Gegend kommt man mit Deutsch und Englisch nicht so weit, statt dessen hilft jetzt italienisch. Na gut, das können wir viel besser als albanisch :-). Zumindest Uller. Nach viel Hin- und Her mit dem irgendwie ruppigen Rezeptionisten/Kellner bekommen wir ein Zimmer, die Klimaanlage zum Laufen und unser Essen. Die Mädels haben Lust auf Pizza, Ulller auf Pasta und ich probiere einheimische Spezialität „Fergese elbanesi“ aus dem Ofen mit Paprika, Tomate, Fetakäse und vermutlich Hühnerleber. Ziemlich lecker. Der Olivensalat ist auch speziell. Überhaupt ist das Essen in Albanien (zum Glück) gar keine typische Balkanküche. Fast alles wird mit Zitrone oder Limette verfeinert und schmeckt frisch, es gibt Gemüse und ist eher näher an Italien als z.B an Kroatien.

Thom hat Ziege in Casserolle bestellt die wird kunstvoll am Tisch geöffnet…

Und Fee ist sehr im Glück als es endlich und ungefragt die Wassermelone gibt, die sie den ganzen Tag vermisst hat!

Jeder von uns betont beim Essen sicher 3 Mal wie gelungen dieser Tag heute war.

Weil die Sauna schon wieder aus ist, bis wir endlich dort sind, lassen wir sie eben doch sausen und gehen vernünftigerweise auf unsere Zimmer. Ich muss mich eh auskurieren, der Kellner hat mich schon gefragt ob ich Medikamente brauche. Mein Husten ist mittlerweile echt übel, ich habe rund um den Mund rum Herpes, bin also ein ziemliches Wrack.

Falls übrigens mal jemand Ideen für Bildbände braucht:

  1. Mercedesvarianten Albaniens
  2. Friedhöfe Albaniens
  3. Autowäschen Albaniens (Lavazh)
  4. Architektur Albaniens
  5. Bunker und Wachtürme Albaniens

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